Eine Tour durch das textile Schmallenberg

Das Eröffnungswochenende des Festivals

Schmallenberg.

Viele Gäste kamen zur Eröffnung in die Kirche.

Das Festival für textile Kunst „Die Textile“ hat seine Fäden überall verbreitet. Ganz Schmallenberg ist schon eingespannt, vernetzt und verflechtet. Zum Eröffnungswochenende kamen viele geladene Gäste und Besucher. Sie erlebten eine kleine textile Reise, mit Kunst, Handwerk und Gemeinschaft.

Die Kunsttour begann um 15.00 Uhr in Holthausen in der Kirche, in der die Besucher und Mitwirkende den lobenden Worten von politischen Vertretern lauschten. Ganz still und aufmerksam, fast so, wie es in der Kirche üblich ist, folgten sie den Rednern. Bürgermeister Bernhard Halbe war mit Stolz erfüllt, als er mit seiner Rede begann: „Ja, wir haben abseits der Kunstmetropolen etwas Besonderes geschaffen.“, lobte er die beiden Leiterinnen des Festivals Dr. Andrea Brockmann und Christine Bargstedt. Damit hat er Recht, denn das Festival ist schon einzigartig für Schmallenberg, auch für das Sauerland, sogar für ganz Nordrheinwestfalen und auch für Deutschland.

Einzigartiges Festival

(v.l.n.r) Bürgermeister Berhard Halbe, Alexander Gaude vom Kunstmuseum Pablo Picasso Münster, Ferdi Hennemann, 1. Vorsitzende des Museums in Holthausen, Dr. Karl Schneider, Landrat des Hochsauerlandkreises, Klaus Kaiser, Parlamentarischer Staatssekretär Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen und Dr. Andrea Brockmann, Leiterin Kulturbüro Schmallenberg.

Hier und nicht woanders trifft man einerseits auf internationale Kunst, große Namen und andererseits auf Menschen, die gemeinschaftlich handarbeiten und fröhliche Mitmach-Angebote für Jung und Alt anbieten. Das ist etwas das Schmallenberg ausmacht. Die Leidenschaft am Textilem wächst, das Netz wird immer fester, die Fäden werden nach weit außen gespannt und erreichen Menschen von nah und fern. Klaus Kaiser, parlamentarischer Staatssekretär des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, lobte dementsprechend den Zusammenhalt in der ländlichen Region: „Mit viel Engagement machen Vereine Picasso möglich. Das zeigt die Stärken und die Wichtigkeit von kultureller Arbeit hier in Schmallenberg.“ Auch Landrat des Hochsauerlandkreises Dr. Karl Schneider ist sich sicher, dass die Besucher lange darüber sprechen werden.

Ausstellungen in Holthausen

Sicherlich ist ein Besuchermagnet die Picasso-Ausstellung in Holthausen, denn sogar Kunstmuffeln dürfte der große Künstler des 20. Jahrhunderts ein Begriff sein. Mit den 49 Leihgaben aus dem Kunstmuseum aus Münster, wurde die Südwestfälische Galerie im Schieferbergbau- und Heimatmuseum Holthausen geschmückt.

Ein Highlight: Die Picasso-Ausstellung

Grafiken und ein Picasso, den viele so noch nicht gesehen haben: Anekdoten und Erzählungen in Fotografie festgehalten. Picassos Spaß, an Kostüm und Maskerade ist deutlich zu erkennen und zeigt den Kubisten aus einer menschlichen, nahezu nahbaren Perspektive, als wäre er der freundliche Nachbar von nebenan.

Doch bevor die Besucher nach den öffentlichen Ansprachen zu Picasso gingen, kamen sie an der Ausstellung „Stickwerk“ vorbei, an zwei ganzen Räumen voller handgearbeiteter Kunstwerke, die alle ihre eigene persönliche Geschichte erzählen. Alleine durch das Anschauen der Bilder, Mustertücher und gestickten Handarbeiten lässt sich in der Ausstellung die Bedeutung für die Familien erahnen. Man spürt ihre Geschichten im Raum, geht von einem Werk zum nächsten und wird in die Vergangenheit zurückversetzt.

Erst wenn über Stickbilder gestolpert wird, in denen plötzlich ein Astronaut vor einem MC-Donalds Restaurant steht oder eine erhabene lesende Frau am Smartphone tippt, dann sind das die Werke der zeitgenössischen Künstlerin Agnes Nuber. „Ich möchte irritieren“, sagte die Künstlerin einmal. Ja, und wie sie das tut. Über ihre Verfremdungen alter Stickbilder wurde an diesem Tag geschmunzelt, gelacht, gestaunt, das im positiven Sinne.

Tipi in Bad Fredeburg

Das Tipi als Gemeinschaftsprojekt.

Um 17.10 Uhr ging die Kunsttour nach Bad Fredeburg weiter. Die fröhliche Busfahrt stimmte auf ein fröhliches und buntes Projekt ein, das Tipi-Projekt der Künstlerin Ute Lennartz Lembeck. Mitwirkende aus Fleckenberg, Kirchrarbach und Bad Fredeburg berichten am Musikbildungszentrum Südwestfalen vom Erlebnis, ein buntes Zelt aus 1200 Wollquadraten in Gemeinschaftsarbeit zu errichten.

Auch das ist in Schmallenberg neu. Umso unvorstellbarer ist es, dass sich 380 Menschen am Projekt beteiligt haben. Sie haben gehäkelt, gestrickt und zusammen mit der Künstlerin das Tipi zusammengebaut. „Die Orte fühlen sich miteinander verbunden und sind mit Stolz erfüllt“, sagten die vier Macherinnen Margret Sasse, Ursula Klinge, Giesela Dickel und Dorothea Gierse, die stellvertretend für ihre Gemeinschaft sprachen. Der Einsatz war enorm, umso schöner ist nun das Ergebnis: Die Tipis strahlen in ihren Farben, ganz individuell. Sie laden dazu ein, ein Nachmittags-Pläuschchen zu halten, zusammen mit anderen gesellig zu sein oder zu meditieren, ganz situativ und nach Empfinden.

 

Internationale Kunst in Schmallenberg

Im Kunsthaus alte mühle endete die Kunsttour.

Als draußen langsam die Sonne schon in den Ecken verschwand, ging die Kunsttour nach Schmallenberg ins „kunsthaus alte mühle“ weiter. Dr. Andrea Brockmann eröffnete mit ihrer detailreichen und bildlichen Rede die Kunstausstellung, die das Bedeutungs- und Materialspektrum des Textilen auslotet. „Der Filzanzug von Joseph Beuys und der Wandteppich von Josef Albers bildeten die Grundlage der Ausstellung“, erzählte die Leiterin des Kulturbüros. Nach und nach kamen internationale Künstler von nah und fern hinzu, die alle ihre eigene Art haben, Textiles in der Kunst darzustellen, zu nutzen, zu dokumentieren. Es ist eine außergewöhnliche Ausstellung entstanden, die zum sinnlichen Erleben und vielfältiger Diskussion einlädt.

Bevor der individuelle Rundgang an diesem Abend startete, traten Guda Koster und Frans van Tartwijk auf, ganz nach dem Sinnbild der Textile. Die Besucher staunten nicht schlecht, als die vermeintlich stofflichen Skulpturen, zum Leben erwacht sind. Plötzlich bewegten sich die kuriosen Figuren, sangen und entführen die Besucher in eine Welt aus Stoff, Kleidern und Anzügen.

“Junge Galerie” – textil – kreativ

Über das große Engagement freuten sich alle Beteiligten.

Doch das war noch nicht alles zur Eröffnung des Festivals. Auf dem darauffolgenden Tag wurden die Türen zur „Jungen Galerie“ geöffnet, einem Projekt der Jugendkunstschule aus Schmallenberg.

Schaufenster und Geschäftsräume in der Ost- und Weststraße sind zur großen Kunstgalerie gewachsen. Während des Frühlingseinkaufes konnte demnach nicht nur geshoppt, sondern die Werke von 217 Kinder und Jugendlichen betrachtet werden.

Neun Schulen und Jugendgruppen stellen ab sofort verschiedene kreative Arbeiten aus, von einer Filzstadt über Ton-Taler bis hin zu Kleiderpuppen und noch viel mehr. „Ich finde es toll, dass Kinder und Jugendliche in die Textile miteinbezogen werden. Zusammen mit ihren Eltern und Großeltern können sie ihre Kunst betrachten und Stolz darauf sein“, erzählte Vera Dünnebacke, die ihr Schaufenster für eine Videoinstallation zur Verfügung gestellt hat.

Mit Recht können Veranstalter und die Bevölkerung stolz über ihr Engagement sein. Die Textile lockt mit ihrem vielseitigen Programm. Die Besucher erwartet ein fröhliches, nachhaltiges, spielerisches und sinnliches Festival, von der Kunst über Vorträge bis hin zu Mitmach-Angeboten. Ab sofort, gibt es jeden Tag etwas zu sehen und zu erleben. Unter anderem Hightech, kreative Workshops für alle Altersgruppen, aktuelle Fachdiskurse und ein Textile Mitmach-Fest in der Stadthalle.

 

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