Agnes Nuber: „Alte Stickbilder bekommen ein zweites Leben“

Ausstellung „Stickwerk“ im Museum Holthausen

Agnes Nubers Leidenschaft liegt in Stickbildern.

Die zeitgenössische Kunst von Agnes Nuber zeigt, wie man alte textile Stickbilder umgestalten, verwandeln und neu ausrichten kann. In der Ausstellung „Stickwerk“ im Schieferbergbau- und Heimatmuseum Holthausen, sind während des Festivalzeitraums der Textile von 05. Mai bis zum 10 Juni einige ihrer Werke zu sehen. Im Interview erzählte Sie, wie Sie auf die Idee gekommen ist, alte Stickbilder neu zu inszenieren.

 

Wie kam es dazu, dass Sie bei der Textile – Festival für textile Kunst in Schmallenberg ausstellen?

Letzten Sommer hat mich Christine Bargstedt von der Projektschneiderei kontaktiert und gefragt, ob ich nicht Lust hätte, meine Werke bei dem Festival „Die Textile“ in Schmallenberg auszustellen. Thematisch hat es sehr gut gepasst. Außerdem fand ich den Kontrast in der Ausstellung „Stickwerk“ zwischen meinen Arbeiten und den Stickwerken der Bevölkerung, mit ihren verschiedenen Hintergrundgeschichten, spannend. Wir haben uns daraufhin zusammengesetzt und einige meiner Werke ausgesucht.

Welche Ihrer favorisierten Werke, gibt es zu sehen?

Es gibt mehrere Serien zu sehen, unter anderem Verfremdungen des Originalmotives von Jean Honoré Fragonard „Die Lesende“ (1776). Außerdem einige Portraits, meine Lieblingsserie „Astronauten“ sowie meine aktuellen Werke zum Thema „Verpixelungen“.

Agnes Nuber, Trinkspruch, 2012

Wie sind Sie zum Sticken und auf die Idee gekommen, altbekannte Motive neu zu inszenieren?

Sieben Jahre lang war ich Projektleiterin eines Kinderkurzfilmfestivals in Hamburg. Damals kam ich auf die Idee, einen Stick-Animationstrailer zu produzieren. Hier habe ich meine Leidenschaft für das Sticken wiederentdeckt, die ich seitdem ich ein Kind war, nicht mehr weiterverfolgt habe. Meine Mutter war früher eine begabte Handarbeitslehrerin, von der ich vieles lernen konnte. Irgendwann war ich auf einem Flohmarkt und bin ich ein einem alten Stickbild vorbeigelaufen. Plötzlich hatte ich Lust, etwas Neues auszuprobieren, kaufte dieses Bild und setzte einen Astronauten hinein. So ist die Idee im Jahr 2012 entstanden und ist immer weiter gewachsen.

 Was ist das Besondere an Ihren Arbeiten?

Der Ursprung meiner Arbeiten, die alten Stickbilder und ihre Vorlagen aus den 1960er und 1970er Jahren, sind ziemlich bekannte Motive. Erst beim genauen Hinsehen, kommt der Betrachter ins Schmunzeln. Plötzlich sind dort Gegenstände oder Menschen zu sehen, die im Original nicht vorkommen. In diesem neuen Kontext bekommen die Stickbilder ein zweites Leben, dem Betrachter fremd und doch wohl bekannt. Diese Irritation gefällt mir.

Agnes Nuber, Erdlandung 2, 2014

Wo gehen Sie auf die Suche nach neuen Inspirationen?

Ich suche auf Flohmärkten, im Internet oder bei Haushaltsauflösungen nach alten Stickbildern, die mir gefallen und die ich interessant finde. Es kommt ebenfalls vor, dass ich nach bestimmten Motiven suche, wenn ich eine Serie weiter ausbauen möchte, wie zum Beispiel „Die Lesende“. Mein Lager ist mittlerweile voll von verschiedenen Stickbildern. Meine Inspirationen finde ich spontan, ganz nach Gefühl.

Wenn Sie sich für ein Stickbild entschieden haben, wie gehen Sie weiter vor?

Nachdem ich das Bild mit nach Hause genommen habe, löse ich es vorsichtig aus dem Rahmen und mache eine Stickvorlage für das neue Motiv. Dazu setzte ich mich an den Rechner und gebe Pixel für Pixel, Stich für Stich, in die Vorlage im Bildbearbeitungsprogramm ein. Danach werden die Fäden für die Silhouette aus dem Stickbild herausgenommen. Der Vorlage entsprechend, werden dann die neuen Motive mit hineingearbeitet. Die ganze Fertigung kann je nach Projekt unterschiedlich lang ausfallen, von einer Woche bis zu einem Jahr.

Welche Reaktionen auf Ihre Werke wünschen Sie sich von den Besuchern der Textile?

Ich freue mich darüber, wenn die Besucher über die Bilder schmunzeln, sich vielleicht irritieren lassen oder in alten Zeiten schwelgen. Ich hoffe, die Menschen merken, dass alte Handarbeitstechniken nicht aussterben, sondern wiederbelebt und sogar zum Trend werden. Es lassen sich so viele großartige kreative Dinge machen, aber es gehört ein Stück Mut dazu, etwas Neues auszuprobieren.

 

Agnes Nuber, wohnhaft in Hamburg, ist eine zeitgenössische Künstlerin. Im Jahre 2012 hat die im kulturellen Bereich hauptberuflich Selbstständige zur Kunst gefunden. Seitdem recycelt Agnes Nuber Gobelin-Bilder, indem sie bekannten Motiven im Stil des Cultural Jamming neue Elemente hinzufügt, die ihren neuen Kontext kommentieren, hinterfragen und brechen.

www.agnesnuber.de

 

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